
1997 bewarb ich mich an der Fachakademie für Fotodesign in München. In der zweiten Runde der Aufnahmeprüfung lautete das vorgegebene Thema „Begegnungen“. Ein großes Wort, das zunächst vieles offenlässt.
Für die Arbeit ging ich in ein Alten- und Pflegeheim in der Nähe von München. Meine Großmutter war dort einige Zeit gepflegt worden, so entstand der Kontakt zu diesem Ort. Als die Fotos entstanden, lebte sie bereits nicht mehr.

Zu dieser Zeit hatte ich gerade meine Ausbildung zum Heilerzieher abgeschlossen. Der Alltag von Pflege, Nähe und Abhängigkeit war mir vertraut. Ich ging deshalb nicht mit der Absicht dorthin, Situationen zu inszenieren. Mich interessierten die Begegnungen, die ohnehin stattfanden: Gespräche, Berührungen, gemeinsames Verweilen. Momente, in denen Menschen aufeinander angewiesen sind und füreinander da sind.

Meine Arbeitsweise war damals im Grunde dieselbe wie heute. Zuerst verbrachte ich Zeit mit den Menschen, sprach mit ihnen, hörte zu. Die Kamera blieb zunächst nebensächlich. Erst später erzählte ich, dass ich fotografieren möchte. Da viele der Bewohner dement waren, holte ich das Einverständnis vorab über die Heimleitung ein.

Die Bilder zeigen Betreuerinnen und Betreute in einfachen, ruhigen Situationen. Eine der Pflegerinnen, eine Nonne, die meine Großmutter bis zuletzt begleitet hatte, ist auf drei der Fotografien zu sehen.

Fotografiert wurde auf Schwarzweißfilm. Entwickelt und vergrößert habe ich die Bilder in einer kleinen, improvisierten Dunkelkammer im Keller meiner ersten WG. Zwischen Waschmaschine und Fahrrädern entstanden dort die Abzüge dieser Serie.
Mit dieser Arbeit erhielt ich schließlich einen Studienplatz an der Fachakademie für Fotodesign in München. Die Serie entstand mit sehr einfachen Mitteln. Entscheidend war weniger die Technik als die Bereitschaft, Zeit mit den Menschen zu verbringen und genau hinzusehen. Eine Arbeitsweise, die meinen Zugang zur Fotografie bis heute prägt.


