IAA Polizeikessel – Verdacht auf Schwarzfahren

Mittwochabend, Odeonsplatz. Unter der Erde, wo die Luft nach Beton und U-Bahn riecht, sitzt eine junge Frau am Boden. Neben ihr ein Polizist, der sie anschreit. Sie zittert, ringt nach Luft, Panik in den Augen. Ihr Name ist Sandra S., 24. Sie wollte zu den Open Spaces der IAA, kam aber nicht einmal bis zur Rolltreppe.

Etwa dreißig junge Menschen stehen an diesem Abend dicht gedrängt im Zwischengeschoss. Die Polizei hat sie eingekesselt. Der offizielle Grund: Verdacht auf Schwarzfahren. In Zeiten, in denen SUV-Hersteller Nachhaltigkeit predigen, reicht es offenbar schon wenn Menschen nicht nach Mercedes Käufer aussehen, um einen übertriebenen Polizeieinsatz zu rechtfertigen.

Sandra erzählt später, sie sei durchsucht, angeschrien, ihre Sachen beschlagnahmt worden. Sie bekam keine Luft, wollte ihr Asthmaspray nehmen, durfte aber nicht – „nur unter ärztlicher Aufsicht“, hieß es. Währenddessen überwacht ein Dutzend Beamte, dass niemand aus dem Kessel ausbricht.

Die IAA läuft oben weiter, glänzende Autos, saubere Kulissen, grüne Versprechen. Unten sitzt Sandra auf dem Boden, in Handschellen. Verdacht auf Erschleichen von Leistungen. Um ein Uhr nachts darf sie nach Hause. Ohne Anzeige, aber mit einem Gefühl, das bleibt: dass Kontrolle und Ohnmacht sich manchmal näherstehen, als einem lieb ist.

Bei keinem der festgehaltenen Personen wurde übrigens nach einem Fahrausweis gefragt…

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